Bahnnormen für Drucktransmitter:
Anforderungen, Herausforderungen und Lösungen
Elektronische Komponenten in Schienenfahrzeugen sind extremen Bedingungen ausgesetzt: starke Temperaturschwankungen, permanente Vibrationen, elektromagnetische Störungen sowie hohe Sicherheitsanforderungen. Um einen zuverlässigen und sicheren Betrieb über viele Jahre zu gewährleisten, gelten in der Bahntechnik spezifische Normen. Für Drucktransmitter bedeutet das: Sie müssen nicht nur präzise messen, sondern auch unter widrigsten Umweltbedingungen dauerhaft stabil funktionieren. Die Einhaltung relevanter Bahnnormen ist daher eine Grundvoraussetzung für den Einsatz in modernen Schienenfahrzeugen.
Die Norm EN 50155 definiert die grundlegenden Umwelt- und Betriebsbedingungen an elektronische Geräte in Schienenfahrzeugen. Sie bildet die wichtigste Referenz für die Entwicklung und Qualifikation von Drucktransmittern im Bahnsektor. Neben der Norm EN 50155 müssen Drucktransmitter mechanischen Belastungen (Norm EN 61373) und elektromagnetischen Störungen (Norm EN 50121-3-2) standhalten und Brandschutznormen (Norm EN 45545-2) erfüllen.


Viele Komponenten im Bahnmarkt werden mit „EN 50155 konform“ beworben. Doch diese Aussage greift zu kurz. Entscheidend ist nicht nur die Normerfüllung, sondern wie sich die Anforderungen konkret auf Funktion, Messgenauigkeit und Lebensdauer eines Drucktransmitters auswirken. Denn im realen Betrieb treffen mehrere Belastungen gleichzeitig aufeinander: Temperaturzyklen, Vibrationen, elektrische Störungen und sicherheitsrelevante Anforderungen. Nur wenn diese im Zusammenspiel beherrscht werden, ist ein Sensor langfristig zuverlässig. Für Drucktransmitter ergeben sich daraus konkrete technische Implikationen.


Erweiterte Temperaturbereiche (bis −40 °C … +85 °C, Klasse TX) beeinflussen das Driftverhalten der Sensorelemente sowie die Signalstabilität der elektronischen Auswertung. Thermisch bedingte Effekte wie Materialausdehnung und mechanische Spannungen können insbesondere bei zyklischen Temperaturänderungen zu dauerhaften Kennlinienverschiebungen führen. Trafag begegnet diesen Einflüssen durch den Einsatz von Thin-Film-on-Steel-Sensorelementen, die sich durch eine hohe mechanische Stabilität und geringe temperaturinduzierte Drift auszeichnen. In Kombination mit einer gezielten elektronischen Kompensation wird so eine stabile Kennlinie und reproduzierbare Messwertbereitstellung auch unter wiederholten thermischen Lastwechseln über die gesamte Einsatzdauer hinweg sichergestellt.
Damit Drucktransmitter nicht bloss als „EN 50155 konform“ gelten, sondern die Norm EN 50155 erfüllen und bahntauglich sind, werden nicht Einzelparameter, sondern deren Überlagerung im Bahnbetrieb betrachtet. Es ist also eine Kombination von Umweltbelastungen. Für Drucktransmitter bedeutet eine gleichzeitige Betrachtung der der Parameter Temperatur, Vibration und EMV, also eine robuste Konstruktion, stabile Signalverarbeitung und langfristige Zuverlässigkeit auch unter dynamischen Betriebsbedingungen.
Trafag Drucktransmitter werden gemäss EN 50155 für den Einsatz in Bahnanwendungen entwickelt, wobei spezifische Umweltanforderungen durch ergänzende Normen berücksichtigt werden. Die Beständigkeit gegenüber Schock und Vibration wird nach EN 61373 geprüft, was für eine stabile Messwertaufnahme unter mechanischer Belastung entscheidend ist. Die elektromagnetische Verträglichkeit wird gemäß EN 50121-3-2 verifiziert, um Signalstörungen und Messabweichungen durch elektrische Einflüsse zu vermeiden. Diese Prüfungen haben direkten Einfluss auf die Zuverlässigkeit und Genauigkeit der Druckmessung im Bahnbetrieb. Bei der Wahl eines Eisenbahndrucktransmitters sind genaue und bis zum Detail aussagkräftige, fundierte technische Datenblätter ein Muss: Die verschiedenen Testlevel müssen nachvollziehbar und der Performance-Level muss verständlich dargelegt sein.


Neben der Funktionalität spielt in Schienenfahrzeugen die Sicherheit eine zentrale Rolle. Die Norm EN 45545-2 regelt das Brandverhalten von Materialien und Komponenten in Schienenfahrzeugen. Sie definiert Anforderungen an die Entflammbarkeit, Rauchentwicklung sowie die Toxizität von Brandgasen. Für Drucktransmitter betrifft dies insbesondere die Gehäusematerialien bzw. die Kabel und Steckverbindungen. Nur Komponenten, die diese Anforderungen erfüllen, sind für den Einsatz im Bahnsektor zugelassen.
Schienenfahrzeuge unterstehen kontinuierlichen mechanischen Belastungen. Die Norm EN 61373 beschreibt entsprechende Prüfverfahren für Vibrationen im Dauerbetrieb sowie mechanische Schocks, wie sie beispielsweise beim Kuppeln auftreten. Entsprechend müssen Drucktransmitter so konstruiert sein, dass keine Messdrift durch Vibration entsteht und die mechanischen Komponenten langfristig stabil bleiben. Eine hohe Vibrationsfestigkeit ist insbesondere bei Anwendungen wie Brems-, Hydraulik- oder Pneumatiksystemen entscheidend.
In modernen Zügen arbeiten zahlreiche leistungsstarke elektrische Systeme, die elektromagnetische Störungen verursachen können. Die Norm EN 50121-3-2 stellt sicher, dass Geräte störfest gegenüber externen Einflüssen sind und selbst keine unzulässigen Emissionen erzeugen. Für Drucktransmitter ist dies besonders relevant, da analoge Ausgangssignale (z. B. 4–20 mA) störanfällig sein können. Auch die Messgenauigkeit kann in EMV-belasteten Umgebungen beeinträchtigt werden. Eine hohe EMV-Festigkeit ist somit ein wesentlicher Faktor für stabile und präzise Druckmessungen im Bahnkontext.
Internes Testlabor beschleunigt den Validierungsprozess
Zertifizierte, interne Kalibrierlabore, wie sie auch Trafag verfügt, ermöglicht es, Drucktransmitter unter kontrollierten Bedingungen zu prüfen und zu justieren, bevor sie in Railway-Anwendungen eingesetzt werden. Dadurch können Messgenauigkeit und Signalverhalten gezielt verifiziert und auf die jeweilige Applikation abgestimmt werden. Für Bahnkunden bedeutet das vor allem konsistente Ergebnisse, nachvollziehbare Prüfdaten und kürzere Abstimmungswege, da Anpassungen und Validierungen ohne externe Labore erfolgen können. Dies erleichtert die technische Bewertung und unterstützt den Zulassungsprozess.


Trafag Drucktransmitter sind für Bahnanwendungen geeignet, da sie gezielt auf die relevanten Normen und Betriebsbedingungen im Railway-Umfeld ausgelegt und geprüft sind. Die Auslegung orientiert sich u. a. an EN 50155 sowie ergänzenden Normen für EMV, Schock und Vibration, wodurch ein stabiler Betrieb unter typischen Belastungen wie Temperaturzyklen, mechanischer Beanspruchung und elektrischen Störungen sichergestellt wird. Ergänzend ermöglichen definierte Genauigkeitsklassen, spezifizierte Temperaturbereiche und robuste Sensortechnologien eine reproduzierbare Messwertbereitstellung auch unter dynamischen Bedingungen, wie sie beispielsweise in in Brems-, HVAC- sowie Druckluft-, Wasser- und Kühlsystemen auftreten. Je nach Anwendung stehen sowohl analoge Ausgangssignale als auch digitale Schnittstellen wie CANopen zur Verfügung, was eine flexible Integration in moderne Fahrzeugarchitekturen erlaubt. Die Kombination aus normgerechter Prüfung und klar spezifizierten technischen Daten erleichtert die Integration in bahnspezifische Subsysteme und die Bewertung im Rahmen von Zulassungsprozessen – und somit schlussendlich den sicheren Bahnbetrieb.




